die Kraft der Ruhe

Heute ist es sehr heiß. Die Sonne brennt gnadenlos in das Trainingsgebiet. Die Schattenplätze werden um die Mittagszeit immer knapper. Über den Asphaltflächen, die das Suchgelände, ein ehemaliges Munitionsdepot, durchziehen, steigt die Temperatur unangenehm an. Selten geht ein leichter, kühlender Wind. In tücherverhangenen Autos, an denen sämtliche Türen und Heckklappen zur Luftzirkulation offen stehen, dösen unsere Hunde ihren Suchen entgegen. Regungslosigkeit. Der nächste ist an der Reihe. Das gewohnte Zeremoniell: Hund aus dem Auto, Einsatzjacke angezogen, Rucksack geschultert, kurzer Gedanken-Check: „Hab‘ ich alles?“, und los geht’s zum Ansatzpunkt. Spätestens das unvermeidliche, leise Bimmeln der Glöckchen an der Kenndecke, die sich im Rucksack befindet, versetzt den Vierbeiner nun in positive Erwartung. Die vorherige Lethargie weicht der Vorfreude. Aber hektische Aufregung kommt nicht auf. In sich ruhend und konzentriert begibt sich das Team zur „Einsatzleitung“. Unser heutiger Gast, die Bundesausbildungsleitung des BZRH, bewundert diese Ausgeglichenheit. Aber nicht nur bei den erfahrenen Teams. Auch der „Nachwuchs“ strahlt souveräne Ruhe aus. Dass heute eine Sichtung durch die BAL und den obersten Verbands-Prüfer stattfindet macht offensichtlich niemanden nervös. Warum auch? Wir alle wissen, was wir können. Und das können wir auch zeigen! Für unsere Hunde bedeutet das, dass sie in der gleichen stressfreien und vertrauensvollen Atmosphäre arbeiten können, wie sonst auch. Das führt – wie könnte es anders sein – zur gleichen freudigen Sucharbeit und zu den gleichen positiven Ergebnissen, wie sonst auch. Denn urplötzlich, mit dem Kommando „Such!“, sind die Hunde wie verwandelt. Die eben noch schwerfällig dösenden Faulenzer gehen hochmotiviert und zielstrebig zu Werke. Hunde, die nie in ihrem Trieb gefördert wurden, nicht zur Suche angereizt werden und die das Wort „Opferbindung“ nicht vorgebetet bekommen, gehen in unwiderstehlichem Drang an die Suche. Sie finden schnell und verweisen überzeugend. Es macht Spaß, dem zuzusehen. Und es macht Spaß, mit solchen Teams zu arbeiten.

Roland Bauernschubert
Ausbilder der RHS Unterfranken